Resilienz statt Effizienz: Unternehmen wappnen Lieferketten für Krisen

Montag, 08.07.2024
Autor: Red. MR

In den letzten Jahren haben globale Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie, geopolitische Spannungen und Naturkatastrophen die Verletzlichkeit moderner Lieferketten schonungslos offengelegt. Diese Disruptionen zwingen Unternehmen weltweit, ihre Versorgungsstrategien grundlegend zu überdenken und neu zu gestalten. Der Fokus verschiebt sich dabei von reiner Kosteneffizienz hin zu mehr Widerstandsfähigkeit und Flexibilität.

 

Hintergründe der Lieferkettenprobleme:

Die Globalisierung der letzten Jahrzehnte führte zu hochkomplexen, international verflochtenen Liefernetzwerken. Viele Unternehmen setzten auf das Just-in-Time-Prinzip und minimale Lagerbestände, um Kosten zu sparen. Diese Strategie erwies sich in Krisenzeiten als äußerst anfällig.

Die Pandemie verursachte weltweite Produktionsstopps und Logistikengpässe. Der Suezkanal-Stau 2021 und der Ukraine-Krieg verschärften die Situation weiter. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) klagten 2022 rund 74% der deutschen Industrieunternehmen über Lieferengpässe bei Vorprodukten.

 

Neue Strategien für resiliente Lieferketten:

Diversifizierung der Lieferanten

Unternehmen reduzieren die Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern oder Regionen. Laut einer Studie von McKinsey planen 93% der befragten Firmen, ihre Lieferketten flexibler und regionaler aufzustellen. Dies beinhaltet die Suche nach alternativen Lieferanten in verschiedenen geografischen Regionen und die Entwicklung von Backup-Lieferanten für kritische Komponenten.

Nearshoring und Reshoring

Produktionsstandorte werden näher an die Absatzmärkte verlagert. Der Kearney Reshoring Index zeigt, dass 79% der Unternehmen in Betracht ziehen, zumindest einen Teil ihrer Produktion zurück in die USA zu verlagern. Ähnliche Trends sind in Europa zu beobachten, wo Unternehmen Produktionen aus Asien zurück in heimische oder nahegelegene Regionen verlagern.

Aufbau strategischer Lagerbestände

Statt minimaler Bestände halten Firmen nun kritische Komponenten auf Vorrat. Eine Deloitte-Studie ergab, dass 61% der Unternehmen ihre Lagerbestände erhöht haben. Dies ermöglicht es, kurzfristige Lieferengpässe zu überbrücken und die Produktion auch bei Störungen aufrechtzuerhalten.

Digitalisierung und Transparenz

Fortschrittliche Technologien wie KI, Blockchain und IoT ermöglichen eine bessere Überwachung und Steuerung der Lieferketten. Gartner prognostiziert, dass bis 2025 50% der Unternehmen in Supply-Chain-Visibility-Lösungen investieren werden. Diese Technologien erlauben Echtzeit-Tracking von Lieferungen, frühzeitige Erkennung von Engpässen und schnellere Reaktionen auf Störungen.

Vertikale Integration

Einige Unternehmen übernehmen Teile ihrer Zulieferkette selbst. Tesla beispielsweise produziert eigene Batterien, um die Versorgung sicherzustellen. Diese Strategie reduziert die Abhängigkeit von externen Lieferanten und gibt Unternehmen mehr Kontrolle über kritische Komponenten.

Kreislaufwirtschaft

Recycling und Wiederverwendung von Materialien reduzieren die Abhängigkeit von Rohstoffimporten. Die EU plant, bis 2030 den Anteil recycelter Materialien deutlich zu erhöhen. Unternehmen investieren in Technologien zur Wiederverwertung von Materialien und entwickeln Produkte, die leichter zu recyceln sind.

 

Herausforderungen und Kosten

Die Umstellung auf resilientere Lieferketten ist mit erheblichen Investitionen verbunden. Eine Studie von Bank of America schätzt die Kosten für das Reshoring der S&P 500 Unternehmen auf etwa 1 Billion US-Dollar. Zudem kann die Verlagerung von Produktionsstätten Jahre dauern und erfordert oft den Aufbau neuer Infrastrukturen und die Schulung von Arbeitskräften.

 

Ausblick

Trotz der Herausforderungen sehen viele Experten die Neuausrichtung der Lieferketten als unausweichlich an. Eine Umfrage von Ernst & Young zeigt, dass 50% der Unternehmen erwarten, ihre Lieferketten in den nächsten drei Jahren signifikant umzugestalten.

Die Transformation hin zu resilienteren Lieferketten wird die globale Wirtschaftslandschaft nachhaltig verändern. Unternehmen, die es schaffen, Flexibilität und Effizienz in Einklang zu bringen, dürften in Zukunft wettbewerbsfähiger sein. Gleichzeitig bietet diese Entwicklung Chancen für neue Technologien, innovative Logistikkonzepte und eine nachhaltigere Wirtschaftsweise.

 

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